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07.08.2018

Streckenarbeiten auf der Enztalbahn schreiten weiter voran

Maßarbeit: Die Arbeiten entlang der Enztalbahn schreiten gut voran. Projektleiter Frank Weißmann (m.) von der AVG-Bahnmeisterei Forbach überprüft mit dem Zollstock die richtige Lage der neu eingepassten Schienen am Bahnhof in Neuenbürg.

Meter für Meter frisst sich der gelbe Lindwurm durchs Brötzinger Tal. Seine Nahrung: Eisenbahnschwellen, Schotter und Schienen. Der 400 Meter lange Koloss aus Stahl ist ein Spezialzug, den die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in diesen Tagen zur Instandsetzung eines Teilstücks der Stadtbahnstrecke zwischen Pforzheim und Bad Wildbad einsetzt.

Wo noch bis vor wenigen Jahren menschliche Muskelkraft notwendig war, kommt heute modernste Technik zum Einsatz und erledigt diese Arbeit buchstäblich in einem Zug. Denn mit dem 600 Tonnen schweren Schienenfahrzeug, das in ganz Europa zum Einsatz kommt, erfolgt die Auswechslung der Schwellen in einem automatisierten Fließbandverfahren. „Bei seiner Fahrt frisst der Zug vorne das komplette Gleisbett samt Schwellen und Schienen und spuckt hinten das neue wieder aus“, erklärt Frank Weißmann, Leiter der AVG-Bahnmeisterei Forbach, dieses Wunderwerk der Technik, das viele Arbeitsgänge auf einmal erledigt. Neunzehn Mann Besatzung sind notwendig, um den komplexen Betrieb dieser kleinen Fabrik auf Schienen zu unterstützen und zu überwachen.

High Speed im Schritttempo

Zunächst hebt der Gleisumbauzug die Schienen an. Dann entfernen große Greifzähne die
alten und 70 Kilogramm schweren Schwellen aus Stahl, die über einen Portalkran zu den an den Zug angehängten Materialwagen sofort abtransportiert werden. Gleichzeitig wird der Schotter im Gleisbett nach außen gedrückt, um Platz für die neuen Gleisschwellen aus Beton zu schaffen, die über einen zweiten Kran angeliefert werden. Sobald die Schwellen verlegt sind, fädelt der Zug die zuvor entnommenen Schienen wieder ein. Während der vordere Teil des gelben Riesens also noch auf dem alten Gleis fährt, rollt das "Hinterteil" bereits auf dem neuen Gleis.

„Die meisten der hier verbauten Stahlschwellen stammen noch aus dem Jahr 1933 und haben ihre Lebensdauer inzwischen überschritten. Die neuen Betonschwellen halten dann die nächsten 50 bis 60 Jahre“, sagt Weißmann. Der Bauingenieur trägt die Gesamtverantwortung für die Sommerbaumaßnahme der AVG auf der Enztalbahn.

Die Hochleistungsmaschine stammt aus dem Fuhrpark eines schwäbischen Bauunternehmens. Ihr Einsatz kostet rund 40.000 Euro am Tag. Ungefähr 200 Meter pro Stunde legt der Gleisumbauzug bei seiner Arbeit zurück und benötigt so nur knapp zwei Tage für den Schwellentausch auf dem rund 2,5 Kilometer langen Teilstück südwestlich der Goldstadt. Was beim Schwellenwechsel im Schritttempo passiert, ist eigentlich High-Speed: „Ohne diese Spezialmaschine würden wir mehrere Wochen für die Erneuerung dieses Gleisstückes brauchen. Auch der Personalaufwand wäre um ein Vielfaches höher“, beschreibt Weißmann die Vorzüge des Gleisumbauzuges.

Kräftezehrende Arbeit bei tropischen Temperaturen

Der Wechsel der Gleisschwellen auf diesem Teilstück der Linie S6 im Brötzinger Tal ist nur eine von insgesamt 20 Einzelbaumaßnahmen, die auf der Stadtbahnstrecke zwischen Pforzheim und Bad Wildbad in den Sommerferien durchgeführt werden, bis der Bahnverkehr hier ab dem 10. September wieder rollt. Neben Brückenarbeiten finden auch Arbeiten am Gleiskörper, Felswand- und Vegetationsarbeiten statt. Rund 150 Personen der AVG bzw. der beauftragten Baufirmen sind mit leichtem und schwerem Gerät während der Streckensperrung auf den verschiedenen Baustellen im Einsatz. Und dies bei Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius im Schatten – den es aber entlang der Strecke, vor allem direkt im Gleisbereich, eigentlich gar nicht gibt. „Ich habe großen Respekt vor der kräftezehrenden Arbeit, die unsere Mitarbeiter hier tagtäglich bei diesen hohen Temperaturen leisten“, sagt Weißmann.

So auch am Bahnhof Neuenbürg, wo die AVG zwei Brücken instand setzt. Auch auf dieser Baustelle ist Vieles noch schweißtreibende Schwerstarbeit mit menschlicher Muskelkraft. Aufgrund der begrenzten Traglast der Brücken und des eingeschränkten Platzes können hier keine schwereren Geräte oder Bagger eingesetzt werden. Presslufthammer dröhnen. Ein Vorschlaghammer scheppert auf blanken Stahl. Ein paar Meter durchtrennt ein Mitarbeiter der AVG mit einer Flex eine Schiene, damit das Teilstück in einer Weiche eingepasst werden kann. Die Funken sprühen. Heavy Metal in Neuenbürg.

Brücken erhalten neuen Korrosionsschutz

„Bei der Bahnbrücke über die Enz muss als Korrosionsschutz die gesamte Stahlkonstruktion sandgestrahlt werden. Gleichzeitig erneuern wir den Fußgängerweg und sanieren bei beiden Brücken das Beton- und Mauerwerk der Widerlager und Flügelwände“, skizziert Andreas Heger, der bei der AVG für die Instandhaltung von rund 200 Brückenbauwerken und die Sicherung von Felswänden zuständig ist, die Baumaßnahme vor dem denkmalgeschützten Bahnhof der Schwarzwald-Gemeinde.

Eine weitere Bahnbrücke saniert die AVG in Brötzingen an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße. Auch hier hat der Zahn der Zeit an dem Bauwerk genagt. „Die Buckelbleche, auf denen der Schotter und die Gleise einst verlegt wurden, sind durchgerostet. An einigen Stellen konnte man bereits die Straße darunter sehen“, so Heger. Nun werden neue, vorgefertigte Bleche eingeschweißt. Zudem erhält die Brücke unter anderem einen neuen Korrosionsschutz, einen neuen Pflasterbelag und neue Blindenleitstreifen, die sehbehinderten Fahrgästen den Weg zur Haltestelle auf der Brücke weisen sollen.

AVG sichert Steilwand gegen Felsabgänge ab

Arbeiten ganz anderer Art führt die AVG in Birkenfeld durch. Hier sichert das kommunale Verkehrsunternehmen an einer 200 Meter langen Felswand die Stadtbahnstrecke gegen Steinschlag ab. „Nach einem Felsabgang im Frühjahr 2017 hatten wir diesen Bereich bereits mit einem Stahlnetz gesichert, dass nun nochmal stärker verankert wird“, erklärt Heger. Hierzu werden circa 600 Anker drei bis vier Meter tief in den Fels gebohrt. Weitere gefährdete Bereiche werden mit Spritzbeton gesichert.

Bis die 25 Kilometer lange Strecke zwischen Pforzheim und Bad Wildbad wieder für den Stadtbahnverkehr freigegeben wird, betreibt die AVG für ihre Fahrgäste mit Bussen einen Schienenersatzverkehr. „Wir wissen, dass wir unseren Fahrgästen mit der Sperrung derzeit einiges zumuten. Aber letztlich dienen diese Maßnahmen dazu, die Qualität des Bahnbetriebs dauerhaft zu sichern. Wir sind sehr zufrieden mit dem Baufortschritt und liegen gut im Zeitplan“, geht Weissmann davon aus, dass alle Arbeiten rechtzeitig wie geplant fertig werden.